MEINE MALEREI

 

 

Oft werde ich gefragt, warum ich eigentlich realistisch arbeite, immerhin stellt man sich unter Moderner Kunst etwas anderes vor. Dabei verwechselt man das Wort modern sehr gerne mit der Bezeichnung zeitgenössisch; und  in der zeitgenössischen Kunst findet man dann auch tatsächlich eine Vielzahl von Stilen und Spielarten, darunter auch den sogenannten Realismus, der gegen Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts sein Comeback erlebte.

 

Bereits als Kind beschäftigte mich die Frage, warum gemalte Bilder stets wie gemalt aussehen und nicht wie die Wirklichkeit oder wie Fotografien. Stets hatte ich die Darstellungsweise typischer Gemälde als Einschränkung empfunden. – So kam es, dass ich von den ersten realistischen, bzw. fotorealistischen Darstellungen, die ich auf einer Ausstellung in der Aachener Neuen Galerie – Sammlung Ludwig, sowie in den Korridoren der ehemaligen Kölner Werkschule gesehen hatte, ziemlich beeindruckt war. – Wenngleich ich auch bereits vorher gegen Ende meiner Schülerzeit bei meiner eigenen Malerei – damals noch ein Hobby - stets großen Wert auf eine gewisse technische Präzision gelegt hatte, wurden mir plötzlich  Möglichkeiten präsentiert, malerisch Fiktionen, „neue Welten“ zu erzeugen. In diesem speziellen Punkt unterschied ich mich von Anfang an von den Fotorealisten: Ich begann, meine eigenen Vorstellungen umzusetzen, ein Wesensmerkmal des figurativen Realismus. [Frühe Gemälde zeigen!]

Der Gedanke, dass das, was ich hier darzustellen vermochte, für Realität gehalten werden konnte, wenngleich einer figurativen, einer künstlich geschaffenen, faszinierte mich und sollte fortan für meine schöpferische Tätigkeit maßgeblich sein.

 

Zunächst war für meine Bilder stets Erlebtes oder anderweitig Erfahrenes von Interesse. Eindrücke aus meiner näheren Umgebung, ich lebe seit meiner Geburt im Rheinland, anfangs in Köln, dann zeitweise in Aachen und seit über 20 Jahren in Erkelenz, fanden und finden immer wieder Niederschlag in meinen Arbeiten.

 

Kraftwerk                       Sendeanlage

 

Kraftwerk, 50 x 60 cm, Öl/Tempera auf Lw.                                                                  Sendeanlage, 85 x 100 cm, Öl/Tempera auf Lw.                           

 

Erlebtes wird nicht selten aus dem ursprünglichen Zusammenhang genommen und durch Kombination mit weiteren Elementen auf der Bildebene zu einer neuen Aussage verschmolzen. Daraus resultiert mitunter ein gewisser Verfremdungseffekt, der Fragen für den Betrachter aufwirft. Eine an sich banale Wolke schwebt beispielsweise exakt über einem Objekt und man möchte wissen, ob es sich um einen bloßen Zufall handelt, oder ob diese Wolke in einer gewissen Kausalität zu dem abgebildeten Objekt steht. - Stets ist meinen Bildern eine gewisse Mehrschichtigkeit eigen, die den Betrachter einlädt, gedanklich in ihnen spazieren zu gehen. - Ein nüchterner Beobachter kann in einer Fabrik nur diese Fabrik sehen und die Bildaussage eher banal finden. Setzt man diese jedoch in Kontext zu den anderen Bildpartien ergeben sich weitere Perspektiven! - Fast alle getroffenen Schlussfolgerungen sind an sich richtig, individuell unterschiedlich ist lediglich die Betrachtungsweise. Um beim Beispiel der Fabrik oder eines Kraftwerkes zu bleiben: Diese kann man als Umweltverschmutzer aber auch als Segen für die Menschheit betrachten; beides mag richtig sein.

Ich verfolge mit meinen Bildern keinesfalls eine politische Aussage; ich liefere lediglich Denk- oder Meditationsvorlagen ohne den Betrachter bevormunden zu wollen.

 

Fanden sich Anfangs in den Arbeiten vorrangig Motive aus der näheren Umgebung, wurden im Laufe der Jahre zahlreiche auf Reisen gesammelte neue Eindrücke zusätzlich aufgegriffen, ohne die eigentliche Konzeption aus den Augen zu verlieren.

 

Skye I                                Jamaica Shop

 

Skye I, 100 x 120 cm, Öl/Tempera auf Leinw.                                                                        Jamaica Shop, 70 x 80 cm, Öl/Temp. auf Lw.                        

 

Nicht alle Bilder sind streng figurativ: Bei manchen wurden in der Tat Fotovorlagen verwendet, die allerdings, bedingt durch meine individuelle Mal- und Darstellungsweise in eine neue „virtuelle“ Ebene überführt  werden.

 

Durchgang                               Statue

 

Durchgang, 50 x 60 cm, Öl/Tempera auf Leinw.                                                                 Statue, 90 x 100 cm, Öl/Temp. auf Lw.                                       

 

Mitunter berühre ich durchaus die Grenze zum Surrealismus ohne dass meine Bilder unbedingt als surrealistisch zu bezeichnen wären, alles typische Eigenheiten für die Malerei des magischen_Realismus, zu welchem meine Werke gezählt werden können. Allen Arbeiten ist eine gewisse Stimmung eigen, ein Hauch von Melancholie, wenn man so will. – Der Blick des Betrachters schweift über weite Ebenen und verliert sich zwischen zarten Wolkengebilden in der Unendlichkeit. – Menschen sind nur sehr selten auszumachen, wohl aber zumeist ihre Spuren. Der Mensch als Bildthema würde die Aussage quasi entmystifizieren. Menschenleere silhouettenhafte Abendstimmungen, in denen das blutrote Abendlicht mit der Kälte von Neonlampen wetteifert, machen deutlich: Das Nichtsichtbare ist häufig ausdrucksstärker als das, was man auf Anhieb erkennen kann.

 

Houverather Straße                                                Vorabend (Haus Spieß, Erkelenz)

 

Houverather Straße, 50 x 60 cm, Öl/T. auf Lw.                                                                                            Vorabend, 70 x 60 cm, Öl/T. auf Lw.                  

 

Sie, lieber Betrachter, sind herzlich eingeladen,  Ihre Gedanken in meinen Bildern ausgiebig schweifen zu lassen!

 

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