REALISMUS – FIGURATIVER REALISMUS – MAGISCHER REALISMUS

 

Unter moderner Kunst stellt man sich im Allgemeinen etwas völlig anderes vor, als eine gegenständliche, realistische Malweise. – Und in der Tat, dies mag verwirrend sein, immerhin, in Fachkreisen unterscheidet man etwas präziser: Moderne Kunst ist etwas anderes, als zeitgenössische Kunst. Die Epoche der Moderne gilt mittlerweile als überwunden. – Was heute durch die Medien dem Betrachter als Kunst präsentiert wird, kann recht unterschiedliche Erscheinungs- und Stilformen aufweisen.

 

Anfang der 70er des 20. Jahrhunderts gab es eine interessante Bereicherung in der Kunstszene: Auf der Suche nach einer völlig objektiven – und damit ehrlichen – Malweise kam man zunächst in Amerika auf die Idee, Fotos malerisch umzusetzen. – Der Fotorealismus war geboren. – Daraufhin stellte man schnell fest, dass auf diese Weise, bedingt durch die Auswahlkriterien durch den Künstler oder den Fotografen, keinesfalls eine wahre Objektivität gewährleistet war. – Der ursprüngliche Anspruch trat in den Hintergrund, wenngleich weiterhin realistisch gearbeitet wurde. Sehr schnell wurde diese Art von Malerei gerne zeit- oder sozialkritischen Aspekten untergeordnet. Ähnliches hatte es bereits in Form des sozialistischen Realismus in Osteuropa oder während der Zeit der Nazi-Herrschaft in Deutschland gegeben. – Ungeachtet einer zeitlich engbegrenzten linkspolitischen Ausrichtung dieser Malerei, bildeten sich parallel dazu zahlreiche weitere Spielarten, so z. B. der figurative Realismus, bei dem erfundene aber durchaus mögliche, ggf. auch typische Konstellationen neu durch den Künstler geschaffen wurden, eine Malerei, die auf denkbaren, möglichen oder wahrscheinlichen Realitäten basiert.

 

100%ige Netzabdeckung                         Action Pub

 

100%ige Netzabdeckung, 55 x 70 cm, Öl/Tempera auf Lw.                                              Action Pub, 70 x 80 cm,Öl/Tempera auf Lw.                           

 

Zwei typische Arbeiten in eher realistischer Art .                                                                                                                                                                                

 

Beim magischen Realismus handelt es sich gleichsam um eine Art  des figurativen Realismus. Dieser hatte seine Ursprünge bereits in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts, geriet aber bald wieder in Vergessenheit. In Deutschland war diese Art von Malerei ohnehin kaum verbreitet und ist es auch heute nur wenig. Die Bezeichnung magischer Realismus wird ohnehin heutzutage in Deutschland äußerst ungern verwendet, da diese häufig mit Surrealismus oder phantastischem Realismus verwechselt, bzw. in einen Topf geworfen wird. – Um ganz deutlich den gravierenden Unterschied aufzuzeigen: Magischer Realismus ist eine Art von Realismus an sich, bei dem in aller Regel nur solche Dinge, bzw. Konstellationen dargestellt werden, die logisch denkbar sind. -  Surrealismus und phantastischer Realismus sind an diese Regeln nicht gebunden!

 

An der grünen Baracke                               Flugverkehr

 

An der grünen Baracke, 90 x 100 cm, Öl/Tempera auf Lw.                                        Flugverkehr, 80 x 100 cm, Öl/Tempera auf Lw.                            

 

Häufig wird die Grenze zum bloßen Realismus überschritten. Der Übergang zu „magischen“ bzw. surrealen Kompositionen ist fließend!                

 

Typisch für magischen Realismus ist zum einen eine Mehrschichtigkeit der Bildinhalte, eine ihnen innewohnende Ambivalenz. Das Dargestellte an sich kann einesteils lediglich für sich selber stehen, andererseits verbirgt sich hinter der zunächst sichtbaren Realitätsebene eine oder weitere Bedeutungsebenen. – Beispiel: Eine dargestellte Fabrikruine kann lediglich sie selber darstellen, eine Aussage, die an sich korrekt ist. Auf der anderen Seite kann man auch wirtschaftliche, ökologische oder andere Probleme darin erblicken. Gleichzeitig kann die Art der Darstellung über gewisse ästhetische Reize verfügen, Trostlosigkeit ausdrücken oder aber beides, eben ambivalent in ihrer Bildaussage sein! – Ein weiteres häufig zu beobachtendes Wesensmerkmal dieser Stilrichtung liegt auch  in der Tatsache, dass die Zeit in den Bildern erstarrt zu sein scheint. Personen werden selten eingesetzt und wenn ja, dann als Staffage oder häufig zu Figuren erstarrt. Die Spuren menschlichen Wirkens sind jedoch häufig zu beobachten. Und wenn nicht, dann sind es außergewöhnliche Konstellationen, welche die Frage implizieren, ob es sich um bloßen Zufall handelt oder Fragen nach der Kausalität aufwerfen. –

 

Wie immer dem auch sei, stets liegt es am Betrachter, seine persönliche Sichtweise in die Bilder einzubringen, in den Malereien gedanklich spazieren zu gehen. 

 

   Home